Biodiversität / Landschaft

Drei Umweltindikatoren beschreiben die Entwicklung des Umweltschutzgutes Biodiversität/Landschaft. Diese sind der Anteil der Naturschutzflächen an der Landesfläche, der Waldzustand und die Landschaftszerschneidung. Die Daten werden bei LIKI und TLS erhoben.

Naturschutzflächen

Definition:

Dieser Indikator beschreibt den Anteil der bundeseinheitlich streng geschützten Gebiete des Naturschutzes an der Landesfläche in Prozent. Einbezogen werden Naturschutzgebiete, Nationalparke und Biosphärenreservate. Um die biologische Vielfalt nachhaltig zu sichern, sind ausreichend große Flächen erforderlich, auf denen sich die Natur ohne belastende Eingriffe des Menschen entfalten kann. Die Ausweisung von Schutzgebieten gehört deshalb zu den wichtigsten Instrumenten des Naturschutzes.

Umweltzustand und Entwicklung:

Der Anteil der Naturschutzflächen an der Landesfläche kann einen stetigen Aufwärtstrend mit kleineren Zwischentiefs vorweisen. Es ist davon auszugehen, dass sich die positive Entwicklung fortsetzen wird.

Diagramm und Tabelle:

Jahr Naturschutzflächen (%)
1998 2,4
1999 2,6
2000 2,7
2001 2,9
2002 2,9
2003 3,0
2004 3,1
2005 3,2
2006 3,1
2007 3,1
2008 3,2
2009 3,4
2010 3,4
2011 3,4
2012 3,4
2013 3,5
2014 3,5
2015 3,6
2016 3,6
2017 4,0
2018 4,1

Quelle: Länderinitiative Kernindikatoren, B3 - Naturschutzflächen: Tabelle Anteil der bundeseinheitlich streng geschützten Gebiete des Naturschutzes an der Landesfläche

Waldzustand

Definition:

Der Indikator Waldzustand zeigt den prozentualen Anteil der geschädigten Waldfläche an. Es gilt dabei folgende Einteilung: Waldschadstufe 0 = ohne Schadmerkmale, 1 = schwach geschädigt, 2 = mittelstark geschädigt, 3 = stark geschädigt, 4 = abgestorben.

Umweltzustand und Entwicklung:

Mit der Reduzierung der Luftschadstoffe hat sich bis 2002 auch der Anteil der deutlich geschädigten Bäume erheblich reduziert. Der Klimawandel und hierdurch bedingte Wetterextreme (z.B. Rekordsommer 2003 mit extrem trocken-warmer Witterung) üben aber zunehmend zusätzlichen Stress auf die Wälder aus. Ein deutlicher Trend ist vorerst nicht erkennbar.

Diagramm und Tabelle:

Jahr Schadstufe 2 (%) Schadstufe 3 (%) Schadstufe 4 (%) Schadstufen 2 bis 4 (%)
1998 29 2 0 31
1999 28 1 0 29
2000 27 1 0 28
2001 26 2 0 28
2002 24 1 0 25
2003 26 2 0 28
2004 33 1 0 34
2005 32 2 0 34
2006 33 2 0 35
2007 33 2 0 35
2008 33 1 0 34
2009 34 1 0 35
2010 31 1 0 32
2011 35 1 0 36
2012 31 1 0 32
2013 29 1 0 30
2014 32 1 0 33
2015 30 1 0 31
2016 36 1 0 37
2017 35 1 0 36
2018 38 3 0 41
2019 46 6 1 53

Quelle: Thüringer Landesamt für Statistik: Luftverunreinigungen: Tabelle Geschädigte Waldflächen nach Schadstufen in Thüringen; Waldzustandsbericht 2019: Tabelle 3 Waldzustand nach Baumarten

Landschaftszerschneidung

Definition:

Der Indikator misst das Ausmaß der Zerschneidung der Landschaft durch technische Elemente, von denen Störungen für wild lebende Tiere sowie für Naturerleben und Erholungseignung ausgehen. Als technische Elemente, die die Landschaft zerschneiden, werden alle Straßen ab einer Verkehrsstärke von 1000 KfZ / 24 h (BAB, Bundes- und Landesstraßen, Kreisstraßen, soweit Zähldaten vorliegen), zweigleisige Bahnstrecken und eingleisige elektrifizierte (nicht stillgelegt), Ortslagen, Flughäfen und Kanäle mit dem Status einer Bundeswasserstraße der Kategorie IV oder größer berücksichtigt. Es werden hierbei zwei Kennzahlen unterschieden; zum einen der Anteil unzerschnittener verkehrsarmer Räume über 100 km² an der Landesfläche und zum anderen der mittlere Zerschneidungsgrad des Landes, ausgedrückt durch die effektive Maschenweite in km². Die effektive Maschenweite (oder Maschengröße) meff ist proportional der Wahrscheinlichkeit, dass zwei beliebig ausgewählte Punkte, die in einem Gebiet liegen, nach der Zerschneidung des Gebietes noch gemeinsam in derselben Fläche liegen. Die effektive Maschenweite wird als Flächengröße in km2 angegeben. Je mehr Siedlungen und Straßen sich in einem bestimmten Gebiet befinden, umso geringer wird die Wahrscheinlichkeit der Unzerschnittenheit und desto mehr sinkt die effektive Maschenweite.

Bedeutung:

Im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung sind möglichst große unzerschnittene Räume und ein geringer Zerschneidungsgrad.

Die Ausweisung neuer Bauflächen für Gewerbe und Wohnen, der Neu- und Ausbau von Straßen und anderer Infrastruktur sowie der stetig wachsende Verkehr führen zum Verlust, zur Verkleinerung und zunehmenden Zerschneidung der Lebensräume. Die anlage- und betriebsbedingten Auswirkungen der Infrastruktur tragen zunehmend zur Gefährdung von Tierarten und ihren Lebensräumen bei. Für Tierarten mit hohem Raumbedarf und großem Aktionsradius sind große unzerschnittene Lebensräume unabdingbar. Vor allem große Säugetiere mit hohem Raumbedarf können sich nur noch eingeschränkt in der Landschaft, d.h. ohne Überquerung des Straßennetzes bewegen. Die Mortalität dieser Arten auf Straßen mit hoher Belegung nimmt stark zu, wenn nicht gar eine Überquerung des Straßennetzes völlig unterbrochen wird. Die Begegnungsmöglichkeit von Tieren derselben Art ist eine wesentliche Bedingung für den Austausch der Gene und das Überleben der Population. Auch für das Naturerleben der Menschen und die Erholungsqualität ist es wichtig, Räume zu erhalten, die großflächig unzerschnitten und nicht verlärmt sind. Räume mit geringer Zersiedelung, Zerschneidung und Verlärmung stellen eine endliche Ressource dar und können, wenn überhaupt, dann nur mit hohem Aufwand wiederhergestellt werden.

Ein niedriger Zerschneidungsgrad der Landschaft und große unzerschnittene Räume sind deshalb wesentliche Prüfsteine für eine nachhaltige Entwicklung.

Diagramm und Tabelle:

Jahr Anteil UZVR über 100 km² an der Landesfläche in % Effektive Maschenweite meff in km²
2005 15,63 52,73
2010 21,48 75,10
2015 20,86 71,31

Quelle: Länderinititiative Kernindikatoren, B1 - Landschaftszerschneidung: Tabellen Anteil UZVR über 100 km2 an der Landesfläche in [%] und Effektive Maschenweite meff in [km²]